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„Winter is coming“ – Playlist Herbst 2013

Ich habe lange überlegt, wie ich den Teaser zu diesem Artikel ohne abgegriffene Klischees und Metaphern verfassen könnte. Da mir aber auch nach einigem hin und her nichts sinnigeres einfiel, als vor dem inneren Auge meiner geneigten Leser Bilder von bunt herabfallendem Laub, länger werdenden Schatten und steigenden Drachen zu evozieren, begnüge ich mich damit, diesen Meta-Teaser zu verfassen und präsentiere im Folgenden meine Playlist für die melancholischste Zeit des Jahres.

1. John Allen — Home

Auch auf die Gefahr hin, dass mir meine derzeitige Euphorie ein wenig den Blick vernebelt, bezeichne ich jetzt mal John Allen als meine persönlich beste Neuentdeckung des Jahres. Seine zunehmende Bekanntheit hat der Musiker vor allem der Tatsache zu verdanken, dass er als Support für Frank Turner ausgewählt wurde. Dass er diese Bekanntheit auch verdient hat, stellt er mit seinen Fähigkeiten als Singer/Songwriter unter Beweis. Die raue, rauchige, fast kratzige Stimme und die folkigen Geschichten voller Lyrik, manche voller Melancholie, lassen einen nicht einfach nur eintauchen, sie ziehen einen unter die Oberfläche.

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2. The Yardbirds — Still I’m sad

Aus der Gegenwart geht es nun back to the sixties. Von Still I’m sad kannte ich lange Zeit nur die Version von Rainbow — und ich habe sie geliebt. Aber als ich zum ersten Mal das Original der Yardbirds gehört habe, hatte ich eine Gänsehaut. Dieser Sound ist so viel authentischer als die — gerade bei Live-Auftritten — arabesk ausgeschmückten Rockklänge von Rainbow, die fast schon steril klingen. Konnte man sich schon bei Ronnie James Dios Gesangsdarbietung kaum einer Gänsehaut erwehren, stellen sich einem bei diesem Intro die Nackenhaare noch weiter auf. Überhaupt sind die Yardbirds eine Wiederentdeckung wert, beherbergten sie doch zeitweise Musikgrößen wie Eric Clapton oder Jeff Beck, bevor sie die Keimzelle für Led Zeppelin wurden.

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3. Warren Zevon – Keep me in your Heart

Warren Zevon halte ich persönlich ja für ein weitgehend verkanntes Genie. Bekannt wurde er vor allem für Werewolves of London, blieb aber ansonsten eigentlich viel zu unbekannt. Keep me in your Heart ist der letzte Song auf seinem 2003 erschienen Album The Wind und gewissermaßen sein musikalisches Schlusswort, denn das Album wurde nach seiner Lungenkrebsdiagnose aufgenommen, der er noch im gleichen Jahr erlag. Diese finale Auseinandersetzung mit dem Tod ist sein Vermächtnis.

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4. The Lords — Death Bells at Dawn

Nochmal zurück in die 60er: The Lords aus New Jersey — nicht zu verwechseln mit der deutschen Beat-Band — sind gewissermaßen so unbekannt, dass ich gerade selber nicht weiß, wo und wie ich sie mal ausgegraben habe. Jedenfalls konnte ich bei einer nachträglichen Recherche kaum Informationen finden. Der Song scheint auf ein paar Compilations erschienen zu sein und wurde außerdem zusammen mit dem Song Light Rain auf einer 7-Zoll-Schallplatte bei Aldrich Records 1966 herausgebracht. Eine echte Entdeckung also, denn Death Bells at Dawn ist ein wunderbar düsterer Song, etwas psychedelisch und mit phantastischen Orgelklängen. Und irgendwie könnte ich mir den Song ganz hervorragend als Musik in einem Western vorstellen.

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5. The Merrybeats – Magic Carpet

Wo wir schon bei Songs sind, die ich mir gut in Western vorstellen könnte: Die Merrybeats haben ein grandioses Instrumentalstück aufgenommen, das irgendwie auch ganz gut in diese Playlist passt — auch wenn es nicht ganz so düster-melancholisch angehaucht ist.

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6. Bad Religion — Suffer (Acoustic)

Was mich an Bad Religion seit Jahren fasziniert ist, dass sie keinen stupid-brachialen Punk machen, sondern einen durchweg tiefgründigen und melancholischen Stil entwickelt haben, der den Zuhörer aber dennoch mit einer solchen Wucht trifft, dass er mitgerissen wird. Wer nicht weiß, wovon ich spreche, sollte sich einmal ansehen, wie die inzwischen doch etwas betagten Herren einem Publikum noch immer mehr einheizen können, als so manche junge Band es sich heutzutage erträumen lässt. Der Art ihres Songwriting ist es aber auch zu verdanken, dass Akustik-Versionen ihrer Tracks eine ganz eigene Qualität aufweisen und auf eine andere aber keineswegs weniger intensive Weise unter die Haut gehen. So auch der „Klassiker“ Suffer aus dem Jahr 1988.

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7. Demons & Wizards — Fiddler on the Green

Das Problem mit Nebenprojekten ist ja, dass es eben Nebenprojekte sind. Nicht, dass ich Jon Schaffer oder Hansi Kürsch nahelegen wollte, bei Iced Earth bzw. Blind Guardian auszusteigen. Aber nach über acht Jahren würde ich es doch sehr begrüßen, wenn es endlich wieder etwas neues von Demons & Wizards zu hören gäbe… Von ihrer ersten Platte aus dem Jahr 2000 stammt diese Metal-Ballade. Unzählige Male habe ich Fiddler on the Green über die Jahre gehört und noch immer erschauere ich bei dem Totentanz, der einem Interview zufolge gewissermaßen auf einer wahren Begebenheit beruht: Der Tod hat einen Jungen zu früh mit sich genommen und sucht nun eine Weggefährtin für ihn, mit der er die Ewigkeit teilen kann.

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8. Johnny Cash — I see a Darkness

Ja, Cash — natürlich — und nein, ausnahmsweise mal nicht Hurt. Dieser Song hier passt noch so viel besser in die düsterer werdende Jahreszeit als der (gecoverte) Evergreen über selbstverletzendes Verhalten, wenn die schwarzen Wolken draußen in die eigene Seele weiterziehen und Dunkelheit mit sich bringen, die sich tief im Inneren einnistet… Es gibt keinen besseren Song, um sich ihr hinzugeben!

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9. Anna Ternheim — Halfway to Fivepoints

„Be careful with love“. Mehr gibt es dazu eigentlich nicht zu sagen. Außer vielleicht noch: Diese Stimme! Herrlich…

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10. Acid Bath — Scream of the Butterfly

Es wird nochmal psychedelisch düster mit diesem Schätzchen. Zwar gibt es davon auch eine Albumversion, die sich auf dem 1994er Album When the Kite String pops findet, doch halte ich diese Fassung, die scheinbar von der zwei Jahre älteren Live-Demo-Scheibe Screams of the Butterfly stammt, für die Version mit dem deutlich höheren Gänsehaut-Potential. Der Sound klingt hier wunderbar dreckig, ist massiv, greifbar und ein bisschen kratzig. So richtet einem der Schrei des Schmetterlings definitiv die Nackenhaare auf!

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11. Black Sabbath — Solitude

Die unangefochtenen Könige des Doom Metal, die sich ja unlängst wieder in ihrer ursprünglichen Besetzung zusammengefunden haben, veröffentlichten auf ihrem dritten Studioalbum Master of Reality diese unsagbar schwermütige Ballade. Sollte es jemand geschafft haben, nach den vorangegangenen Songs noch bei einigermaßen froher Laune zu sein, schafft es spätestens Solitude einen unentrinnbaren Sog nach unten aufzuwirbeln und selbst die frohesten Gemüter niederzuschmettern. Ich liebe es!

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12. The Soundtrack of our Lives — Second Life Replay

Über diesen Song bin ich im Californication-Soundtrack gestolpert, wo er den mehr oder minder ernstgemeinten Selbstmordversuch von Hank Moody — er selbst spielt ihn im Nachhinein als Unfall herunter — untermalt. Die Band kannte ich zuvor nicht und über die Musik kann ich in diesem Fall auch wenig bis gar nichts sagen. Es ist eines der Lieder, die man in irgendeinem anderen Kontext wahrnimmt und das sich dann aus diesem herausschleicht, um sich im eigenen Unterbewusstsein zu manifestieren, um dann und wann hervorzubrechen.

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13. Apocalyptica feat. Nina Hagen — Seemann

Wer schon das Original von Rammstein beeindruckend fand, wird sich meiner Meinung nach in den Klängen von Apocalyptica und dem Gesang von Nina Hagen noch mehr verlieren. Gerade letzterer sorgt mit seinem manchmal befremdlichen aber dennoch melodischen Timbre dafür, dass der „Seemann“ unter die Haut geht.

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14. Elane — Lurlinnight

Ich hab ja schon eine Weile überlegt, ob ich den Song hier aufnehmen soll. Schlecht ist er sicher nicht, ganz im Gegenteil. Aber im Gegensatz zu den meisten anderen Liedern in dieser Playlist, erscheint er mir einfach zu sauber und zu glatt zu sein. Keine Ecken oder Kanten. Vielmehr strömt die Melodie vom Anfang bis zum Ende durch. Trotzdem habe ich mich dafür entschieden: Dieses Lied ist ein wunderbares Stück mystischen Folks und schmiegt sich einmütig an das Gefühl von Herbst an.

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15. John Allen — Broken Hearts

Da er schon den Anfang gemacht hat, kann John Allen auch ruhig den Kreis schließen. Broken Hearts ist ein eindringlicher Song über das Ende einer Liebe, dessen Bilder einen mitreißen und die leichten Stiche spüren lassen, die gebrochene Herzen ausmachen.

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Kategorien Kultur, Musik Schlagwörter , ,

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