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Herbstlyrik II

Der Dich­ter

Die ihr beim fro­hen Mah­le lacht,
Euch eure Blu­men zieht in Scher­ben
Und, was an Gold euch zuge­dacht,
Euch wohl­be­hag­lich laßt ver­er­ben,
Ihr starrt dem Dich­ter ins Gesicht,
Ver­wun­dert, daß er Rosen bricht
Von Dis­teln, aus dem Quell der Augen
Korall‹ und Per­le weiß zu sau­gen;

Daß er den Blitz her­nie­der­langt,
Um sei­ne Fackel zu ent­zün­den,
Im Wet­tertoben, wenn euch bangt,
Den rech­ten Odem weiß zu fin­den:
Ihr starrt ihn an mit hal­bem Neid,
Den Geis­tes­krö­sus sei­ner Zeit,
Und wißt es nicht, mit wel­chen Qua­len
Er sei­ne Schät­ze muß bezah­len.

Wißt nicht, daß ihn, Ver­damm­ten gleich,
Nur rin­nend Feu­er kann ernäh­ren,
Nur der durch­stürm­ten Wol­ke Reich
Den Lebens­odem kann gewäh­ren;
Daß, wo das Haupt ihr sin­nend hängt,
Sich blu­tig ihm die Trä­ne drängt,
Nur in des schärfs­ten Dor­nes Spal­ten
Sich sei­ne Blu­me kann ent­fal­ten.

Meint ihr, das Wet­ter zün­de nicht?
Meint ihr, der Sturm erschütt­re nicht?
Meint ihr, die Trä­ne bren­ne nicht?
Meint ihr, die Dor­nen ste­chen nicht?
Ja, eine Lamp‹ hat er ent­facht,
Die nur das Mark ihm sie­den macht;
Ja, Per­len fischt er und Juwe­le,
Die kos­ten nichts — als sei­ne See­le.

— Annet­te von Dros­te-Hüls­hoff (1797−−1848)

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Herbstlyrik I

Poe­sie

Poe­sie ist tie­fes Schmer­zen,
Und es kommt das ech­te Lied
Ein­zig aus dem Men­schen­her­zen,
Das ein tie­fes Leid durch­glüht.

Doch die höchs­ten Poe­si­en
Schwei­gen wie der höchs­te Schmerz,
Nur wie Geis­ter­schat­ten zie­hen
Stumm sie durchs gebroch­ne Herz.

— Jus­ti­nus Ker­ner (1786−−1862)

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V wie Vampyr…

Vam­pi­re gehö­ren ja irgend­wie zu mei­nen (wis­sen­schaft­li­chen) Ste­cken­pfer­den. Bei der Lek­tü­re von Peter Mario Kreu­ters »Der Vam­pir­glau­be in Süd­ost­eu­ro­pa»1 bin ich auf die­ses Fund­stück des Autors gesto­ßen, das eigent­lich zu schön ist, um es nicht zu tei­len. Aller­dings ist die Qua­li­tät des Abdrucks in besag­tem Buch nicht gera­de die bes­te, wes­halb ich mich nach einer ande­ren Quel­le umge­se­hen habe. Die Gra­fik stammt aus Wil­helm Buschs »Natur­ge­schicht­li­chem Alpha­bet« und ist in den »Flie­gen­den Blät­tern« von 1860 erschie­nen:

Quelle

Ent­nom­men aus: »Flie­gen­de Blät­ter«, Bd. 33, Mün­chen 1860, S. 30. Digi­ta­li­siert und unter einer Crea­ti­ve Com­mons-Lizenz CC-BY-SA 3.0 DE zur Ver­fü­gung gestellt durch die Uni­ver­si­täts­bi­blio­thek Hei­del­berg.2


  1. Kreu­ter, Peter M.: Der Vam­pir­glau­be in Süd­ost­eu­ro­pa. Stu­di­en zur Gene­se, Bedeu­tung und Funk­ti­on. Rumä­ni­en und der Bal­kan­raum, Ber­lin 2001, S. 190. 

  2. Bei Gele­gen­heit muss mir aber mal noch jemand erklä­ren, wie man eigent­lich gemein­frei Inhal­te — Wil­helm Busch ist 1908 gestor­ben, das Copy­right somit erlo­schen — eigen­mäch­tig unter eine CC-Lizenz stel­len kann. Natür­lich kann ich ver­ste­hen, dass die UB Hei­del­berg für die Leis­tung der Digi­ta­li­sie­rung hono­riert wer­den möch­te, was aber doch am Copy­right selbst nichts ändern dürf­te, oder? 

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The Spirit of Radio feat. The Merrybeats

  → Die­ser Arti­kel ist auch auf Eng­lisch ver­füg­bar.

Es ist ja schon eine Far­ce zu nen­nen, was ich da seit eini­ger Zeit mit­ver­fol­ge. Da ist die­se her­vor­ra­gen­de Beat-Band (und das sage ich nicht nur, weil ich mit dem Sän­ger gut befreun­det bin), die schon bei meh­re­ren und auch durch­aus grö­ße­ren Live-Auf­trit­ten von sich hat reden machen. Man hat Kon­tak­te geknüpft, Zusi­che­run­gen bekom­men und schließ­lich eini­ge Tracks auf­ge­nom­men, um die eige­nen Qua­li­tä­ten durch Arran­ge­ments her­vor­zu­he­ben und sich reprä­sen­tie­ren zu kön­nen. Was dar­auf folg­te, darf als Armuts­zeug­nis des deut­schen Kul­tur­be­triebs ange­se­hen wer­den. Und was wie­der­um dar­auf folg­te, als Exem­pel dafür, dass es auch anders geht.

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»Winter is coming« — Playlist Herbst 2013

Ich habe lan­ge über­legt, wie ich den Teaser zu die­sem Arti­kel ohne abge­grif­fe­ne Kli­schees und Meta­phern ver­fas­sen könn­te. Da mir aber auch nach eini­gem hin und her nichts sin­ni­ge­res ein­fiel, als vor dem inne­ren Auge mei­ner geneig­ten Leser Bil­der von bunt her­ab­fal­len­dem Laub, län­ger wer­den­den Schat­ten und stei­gen­den Dra­chen zu evo­zie­ren, begnü­ge ich mich damit, die­sen Meta-Teaser zu ver­fas­sen und prä­sen­tie­re im Fol­gen­den mei­ne Play­list für die melan­cho­lischs­te Zeit des Jah­res.

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Frankfurter Buchmesse 2013

Es ist inzwi­schen zu einem Ritu­al gewor­den, dass ich mich an bei­den Besu­cher­ta­gen durch die Buch­mes­se schla­ge. Zwar wäre es als Stu­dent auch mög­lich zu den Fach­be­su­cher­ta­gen zu gehen, aber das ist a) trotz Ermä­ßi­gung noch sau­mä­ßig teu­er und b)unnötig, wenn man aus der Erfah­rung gelernt hat, wie man den größ­ten Men­schen­mas­sen aus dem Weg geht, um trotz­dem alles zu sehen. Ledig­lich wenn man bestimm­te Ver­an­stal­tun­gen sehen möch­te, muss man sich dann ins arge Getüm­mel stür­zen. Einen gro­ben Plan zu haben, was man besu­chen möch­te, mag zwar hilf­reich sein, erfah­rungs­ge­mäß hält man sich aber dann doch nicht dran oder das Gedrän­ge ist trotz des ein­ge­rech­ne­ten Puf­fers noch zu groß, um recht­zei­tig vor Ort zu sein. Viel schö­ner ist es ohne­hin sich durch das Trei­ben trei­ben zu las­sen und mal hier, mal da halt zu machen.

Fast zwei Wochen ist der Tru­bel nun schon wie­der her ohne dass ich dazu gekom­men wäre, die­sen Bei­trag end­lich zu einem Abschluss zu brin­gen. Inzwi­schen haben mei­ne Füße längst wie­der auf­ge­hört zu schmer­zen, der enor­me Papier­sta­pel in Form von Pro­spek­ten, Fly­ern etc. neben mei­nem Bett hat wie­der abge­nom­men und schließ­lich ist dann doch die­ser Text hier ist ent­stan­den. Es folgt mei­ne per­sön­li­che Nach­le­se der Frank­fur­ter Buch­mes­se 2013.

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Vom Handeln mit Schicksalen

Über was für eine wun­der­vol­le Ergän­zung zu mei­nem Aléa Torik-Arti­kel ich mit die­sem Zitat der Auto­rin Feli­ci­tas Hop­pe, deren fik­ti­ve Bio­gra­phie 2012 unter dem Titel Hop­pe erschien, ich doch gestol­pert bin.

»Wir han­deln mit Schick­sa­len in der Lite­ra­tur, und wer keins hat, der tut so, als hät­te er eins. Die Lite­ra­tur und der Lite­ra­tur­markt leben vom Dra­ma.«

Feli­ci­tas Hop­pe im Inter­view mit Lena Vöck­ling­haus, in: BELLA tris­te, Aus­ga­be Som­mer 2013, S. 97.

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Die fiktive Autorin — Aléa Torik

»[…] ›Darf‹ ein Autor eine Iden­ti­tät insze­nie­ren, um sei­ne Bücher an den Mann zu brin­gen? Darf der Roman also auf das Leben des Autors über­grei­fen bzw umge­kehrt, darf man sich selbst zur Roman­fi­gur machen, die man dann ein Buch schrei­ben lässt? […]« Juli Zeh am 4. Juni auf Face­book

Die­se Fra­gen stell­te Juli Zeh als Reak­ti­on auf einen schon etwas zurück­lie­gen­den Arti­kel des »Bue­cher­blog­gers«, in dem sich sel­bi­ger über die Fik­tio­na­li­tät einer Auto­rin­nen­iden­ti­tät brüs­kiert. Aber der Rei­he nach.

Hät­te nicht aus­ge­rech­net Juli Zeh die­se Fra­ge gestellt, ich hät­te sie aller Wahr­schein­lich­keit nach mit einem Kopf­schüt­teln abge­tan und als eng­stir­nig oder spieß­bür­ger­lich ange­se­hen.1 So aber sah ich mich gezwun­gen, mich von mei­ner etwas ober­fläch­li­chen Betrach­tungs­wei­se zu ver­ab­schie­den und mich etwas in die Mate­rie ein­zu­ar­bei­ten.

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  1. Sie selbst weist in einem spä­te­ren Kom­men­tar dar­auf hin, dass die Fra­ge nicht so sehr nor­ma­tiv zu ver­ste­hen sei, son­dern auf die gesell­schaft­li­che Akzep­tanz einer sol­chen Täu­schung abzie­le. In der Fol­ge ent­brennt eine Dis­kus­si­on, in die sich schließ­lich Aléa Torik selbst ein­klinkt, die/der dafür eigens einen Face­book-Account ein­ge­rich­tet hat. Auf den genau­en Dis­kus­si­ons­ver­lauf kann hier nicht näher ein­ge­gan­gen wer­den, sie dien­te ledig­lich als Anre­gung für die vor­lie­gen­de Aus­ein­an­der­set­zung mit dem The­ma. 

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