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Herbstlyrik II

Der Dich­ter

Die ihr beim fro­hen Mah­le lacht,
Euch eure Blu­men zieht in Scher­ben
Und, was an Gold euch zuge­dacht,
Euch wohl­be­hag­lich laßt ver­er­ben,
Ihr starrt dem Dich­ter ins Gesicht,
Ver­wun­dert, daß er Rosen bricht
Von Dis­teln, aus dem Quell der Augen
Korall‹ und Per­le weiß zu sau­gen;

Daß er den Blitz her­nie­der­langt,
Um sei­ne Fackel zu ent­zün­den,
Im Wet­tertoben, wenn euch bangt,
Den rech­ten Odem weiß zu fin­den:
Ihr starrt ihn an mit hal­bem Neid,
Den Geis­tes­krö­sus sei­ner Zeit,
Und wißt es nicht, mit wel­chen Qua­len
Er sei­ne Schät­ze muß bezah­len.

Wißt nicht, daß ihn, Ver­damm­ten gleich,
Nur rin­nend Feu­er kann ernäh­ren,
Nur der durch­stürm­ten Wol­ke Reich
Den Lebens­odem kann gewäh­ren;
Daß, wo das Haupt ihr sin­nend hängt,
Sich blu­tig ihm die Trä­ne drängt,
Nur in des schärfs­ten Dor­nes Spal­ten
Sich sei­ne Blu­me kann ent­fal­ten.

Meint ihr, das Wet­ter zün­de nicht?
Meint ihr, der Sturm erschütt­re nicht?
Meint ihr, die Trä­ne bren­ne nicht?
Meint ihr, die Dor­nen ste­chen nicht?
Ja, eine Lamp‹ hat er ent­facht,
Die nur das Mark ihm sie­den macht;
Ja, Per­len fischt er und Juwe­le,
Die kos­ten nichts — als sei­ne See­le.

— Annet­te von Dros­te-Hüls­hoff (1797−−1848)

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