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Industar-26M reparieren

Bei der ФЭД-2 (FED), die ich vor kur­zem erstan­den habe, gab es lei­der eine klei­ne tech­ni­sche Schwie­rig­keit. Bei der Kame­ra han­delt es sich um einen rus­si­schen Lei­ca-Nach­bau, ein­ge­führt im Jahr 1955 und pro­du­ziert bis 1970.1 Zwar war der Body in einem aus­neh­mend guten Zustand — ledig­lich der Lack war an weni­gen Stel­len etwas mit­ge­nom­men (was ich jedoch ganz prag­ma­tisch mit etwas Modell­bau­lack repa­riert habe) — jedoch ließ sich der Fokus­ring am zuge­hö­ri­gen ИНДУСТАР-26M (Industar) 1:2,8 F=5cm kaum bis gar nicht bewe­gen. Das schö­ne an die­sen alten Din­gern ist aber ja, dass man sie recht pro­blem­los selbst wie­der gang­bar machen kann. Wenn etwas schief gin­ge, wäre immer­hin nicht viel ver­lo­ren. Also frisch ans Werk!

Disclaimer

Vor­weg: Ich über­neh­me wie immer kei­ne Haf­tung, falls bei eige­nen Repa­ra­tur­ver­su­chen irgend­et­was schief gehen soll­te. Bei mir hat alles wie beschrie­ben funk­tio­niert. Einer Anlei­tung zu fol­gen, bedeu­tet aber nicht sein Hirn aus­zu­schal­ten. Also weist mich auch ger­ne dar­auf hin, wenn ich irgend­wo Murks geschrie­ben habe…

Vorbereitung

Was man zur Repa­ra­tur braucht:

  • Uhr­mach­er­werk­zeug o.ä. — auf jeden Fall recht klei­ne Schrau­ben­zie­her
  • Wat­te­stäb­chen
  • Rei­ni­gunsgs­ben­zin2
  • Mehr­zweck-Fett (»Mul­ti Grea­se«)3
  • Einen Objek­tiv-Spann­schlüs­sel — NUR, wenn man an die Lin­sen her­an will4
  • Fin­ger­spit­zen­ge­fühl…

Außer­dem emp­fiehlt es sich ein klei­nes Schäl­chen zur Auf­be­wah­rung der Schrau­ben bereit­zu­stel­len und die Repa­ra­tur­ar­bei­ten in einer fla­chen Scha­le mit Rand aus­zu­füh­ren, um das Abhan­den­kom­men der­sel­ben zu ver­mei­den. Will man nicht län­ger her­um­su­chen und -pro­bie­ren müs­sen, emp­fiehlt sich außer­dem ein Blei­stift oder etwas ähn­li­ches, um die Posi­tio­nen der ein­zel­nen Tei­le zuein­an­der zu mar­kie­ren. Wie sich gezeigt hat, funk­tio­niert es aber auch ohne… 😉

Demontage und Säuberung

Schritt 1
Als ers­tes lösen wir die drei Schrau­ben an der Unter­sei­te des Objek­tivs und ent­fer­nen den damit fixier­ten Ring (1), sowie die drei Gewin­de­stif­te, wel­che die Man­schet­te (2) um den Fokus­ring (4) fixie­ren (hier emp­fiehlt es sich die Posi­ti­on des sel­ben zum Objek­tiv zu mar­kie­ren, um sich spä­ter läs­ti­ges Suchen zu erspa­ren). Letz­te­rer kann nach oben hin abge­zo­gen wer­den.

Abb.1

Abb. 1: Die demon­tier­ten Bau­tei­le im Über­blick.


Schritt 2
Nach­dem der unte­re Ring in Schritt 1 ent­fernt wur­de, kann nun das Bau­teil mit dem M39-Bajo­nett­ge­win­de (3) nach oben hin abge­zo­gen. Je nach­dem wie stark das alte Schmier­mit­tel ver­harzt ist, muss man dabei etwas rüt­teln oder mit einem Schrau­ben­zie­her bzw. einer Mes­ser­klin­ge etwas nach­hel­fen. Dre­hen wird hin­ge­gen nicht von Erfolg gekrönt sein, denn das Bau­teil ist durch eine dar­un­ter­lie­gen­de Schrau­be in sei­ner Posi­ti­on fixiert.
Schritt 3
Abb.2:

Abb. 2: Die Posi­tio­nen der bei­den Sperr­schrau­ben


Eben jene Schrau­be, die dem Fokus­ge­win­de als Limi­tie­rung dient, wird nun ent­fernt, sodass sich das Teil mit dem klei­nen Fokus­sie­rungs­he­bel ganz her­aus­dre­hen lässt. Hier­bei soll­te man jedoch zunächst wie­der die Posi­ti­on bei­der Ele­men­te zuein­an­der mar­kie­ren: Es gibt meh­re­re Stel­len an denen die bei­den Gewin­de inein­an­der grei­fen kön­nen, aber nur eine ein­zi­ge, an der die Fokus­sie­rung kor­rekt funk­tio­nie­ren kann.
Schritt 4
Put­zen, put­zen, put­zen. In mei­nem Fall brauch­te es einen gefühl­ten hal­ben Liter Rei­ni­gungs­ben­zin und dut­zen­de Wat­te­stäb­chen, um den gan­zen Knas­ter von den Bau­tei­len abzu­be­kom­men. Hilft aber alles nichts, der Dreck muss weg.

Schmieren

Ist alles gerei­nigt, kann man sich dar­an machen die ein­zel­nen Tei­le neu zu schmie­ren. Recht gut funk­tio­niert das, wenn man das Schmier­fett direkt aus der Tube oder mit einem Spa­tel auf­trägt und dann mit wei­te­ren Wat­te­stäb­chen ver­teilt. Wel­che Tei­le geschmiert wer­den müs­sen, kann man sich ent­we­der aus der gera­de ent­fern­ten Ver­schmut­zung ablei­ten, oder man ruft sich die Mecha­nik des Objek­tivs vor Augen und fragt sich, wel­che Ele­men­te anein­an­der rei­ben. Solan­ge man nichts auf die Lin­sen bringt, kann man eigent­lich nichts falsch machen. Am Fokus­ge­win­de kann man übri­gens noch so sehr ver­su­chen, das Schmier­mit­tel gleich­mä­ßig zu ver­tei­len — erst wenn man bei­de Tei­le eini­ge Male inein­an­der bewegt, wer­den sie rich­tig geschmiert. Über­schüs­se kön­nen dann mit einem Wat­te­stäb­chen ent­fernt wer­den. Solan­ge nichts über­quillt gilt der alte Grund­satz der Comic­fi­gur Wer­ner: »Denk immer dar­an: mim Öl nich spar­sam sein!«

Wieder zusammenbauen

Schritt 1
So, jetzt eigent­lich alles aus dem ers­ten Teil nur in umge­kehr­ter Rei­hen­fol­ge: Fokus­ge­win­de wie­der (rich­tig!) zusam­men­schrau­ben. Dabei muss vor allem dar­auf geach­tet wer­den, dass bei­de Tei­le so auf­ein­an­der pas­sen, dass der hin­te­re Teil nicht zu früh an die vor­de­re Sperr­schrau­be am Objek­tiv­schaft anstößt. Ist einem hier ein Feh­ler unter­lau­fen, bemerkt man das spä­tes­tens wenn man alles wie­der zusam­men­ge­baut hat und nicht mehr auf die kür­ze­ren Distan­zen fokus­sie­ren kann. In die­sem Fall muss man halt alles wie­der demon­tie­ren und es erneut ver­su­chen.
Schritt 2
Bevor nun als nächs­tes das Teil mit dem M39-Gewin­de wie­der in Posi­ti­on gebracht wird, darf man nicht ver­ges­sen die hin­te­re Sperr­schrau­be wie­der ein­zu­dre­hen. Die Posi­ti­on des Gewin­de­stücks ist dann selbst­er­klä­rend: Die Schrau­be passt in die ent­spre­chen­de Aus­spa­rung.
Schritt 3

Abb. 3:  Die hintere Sperrschraube und die Auslassung im Gewinde-Bauteil

Abb. 3: Die hin­te­re Sperr­schrau­be und die Aus­las­sung im Gewin­de-Bau­teil

Das wird dann noch fixiert, indem der Ring wie­der mit den drei Schrau­ben befes­tigt wird. Zuletzt wird noch der Fokus­ring wie­der auf das Objek­tiv gescho­ben und in der — hof­fent­lich — rich­ti­gen Posi­ti­on mit den Gewin­de­stif­ten ange­bracht. Die­se fun­gie­ren übri­gens als Spann­schrau­ben: Es gibt kei­ne rich­ti­gen Löcher unter dem Ring, in die die Schrau­ben grei­fen könn­ten. Viel­mehr wird der Ring durch sie in Posi­ti­on »gepresst«. Sofern das bei mei­nem Objek­tiv kei­ne Aus­nah­me war, kann man jedoch leich­te Ver­tie­fun­gen erken­nen, die die Posi­ti­on ver­ra­ten.

Schlussbemerkung

Mein Objek­tiv funk­tio­niert inzwi­schen wie­der ein­wand­frei, der Fokus geht but­ter­weich von der Hand, alles wie es sein soll­te. Tre­ten nach der Repa­ra­tur Pro­ble­me mit der Fokus­sie­rung auf, die nichts mit einer feh­ler­haf­ten Jus­tie­rung der Kame­ra5 zu tun haben kön­nen, müss­te man ggf. das Objek­tiv noch­mals kon­trol­lie­ren.


  1. Anhand die­ser Daten konn­te ich mei­ne als eine 2c iden­ti­fi­zie­ren und das Bau­jahr auf 195859 ein­gren­zen. 

  2. Ver­mut­lich kann man auch ande­re Rei­ni­gungs­mit­tel ver­wen­den. Ich bevor­zu­ge aller­dings das gute alte Rei­ni­gungs­ben­zin, das am Ende rück­stands­frei ver­duns­tet und die Über­res­te der alten Schmie­re wirk­lich gut löst und ent­fernt. 

  3. Bei mei­nem han­delt sich dabei laut Beschrif­tung um ein »Uni­ver­sel­les EP-Lithi­umsei­fen-Fett für Wälz- und Gleit­la­ger«. 

  4. In mei­nem Fall reich­te aber der Teil für die Fokus­sie­rung aus. Der Blen­den­ring beweg­te sich zwar auch etwas schwer­gän­gig, aller­dings fin­de ich das gar nicht ver­kehrt — immer­hin kann man so die Blen­de nicht ver­se­hent­lich ver­stel­len. 

  5. Wie man die Fokus­sie­rung an der Kame­ra ein­stellt, beschreibt etwa Lai­ka in die­sem PDF

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Kategorien Fotografie, Technik & IT Schlagwörter , , , ,

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